17.09.2012

Rohstoffpreise steigen weiter

Die erhoffte Entspannung auf dem Rohstoffmarkt der Gewürzindustrie nach der Preisrallye 2011 ist ausgeblieben. Die Rohstoffpreise steigen wieder. Eine Entlastung ist nicht abzusehen. Im Gegenteil: Widrige Wettereinflüsse – schwacher Monsun in Indien, zu hohe Feuchtigkeit in Indonesien, weltweite Dürren in anderen Anbaugebieten – führen zu geringen Ernten; ein unsicherer Euro macht in US-Dollar abgeschlossene Kontrakte schwer kalkulierbar.

Der Preis für Pfeffer – Hauptgewürz der Deutschen und ca. ein Drittel des gesamten Gewürzimports – zieht entgegen allen Erwartungen deutlich an. Der weltweit größte Pfefferanbauer Vietnam hat sich kurzfristig aus dem Markt zurückgezogen, um das Preisniveau zu beeinflussen. Die anderen Pfeffermärkte von Brasilien bis Indonesien können dies nicht ausgleichen. Mit einem Preisanstieg um 10 bis 20 % ist zu rechnen.

Muskatnüsse und Macis bleiben auf sehr hohem Preisniveau; Entspannung ist nicht zu erwarten. Das Gleiche gilt für Paprika, Nelken und Piment. Bei Paprika (Preisanstieg 30 – 40 %) und Knoblauch (+ 15 – 20 %) hat schlechtes Wetter die Ernten drastisch reduziert.

Ein sehr strenger Winter in den türkischen Bergen hat die Oregano- und Kreuzkümmelsaat geschädigt. Ca. 40 % der Anbauflächen fallen für die Ernte aus. Die Preise haben sich gegenüber Vorjahr verdoppelt. In Ägypten wirkt nicht das Wetter als Preistreiber, vielmehr konkurrieren Basilikum und Majoran dort mit Weizen, der auf gleicher Anbaufläche höhere Erträge verspricht. Damit steigen auch dort die Preise.

Cumin aus Syrien kann aufgrund der politischen Situation kaum noch verladen werden. Indische Cuminsaaten fallen aufgrund zu hoher Pflanzenschutz-mittelrückstände für den europäischen Markt aus. Damit fehlen zwei Hauptlieferanten.

Die Dürre in den USA beeinflusst den Weltmarktpreis für Getreide, Ausgangsstoff für viele stärkebasierte Rohstoffe der Gewürzindustrie wie Dextrose und Glukosesirup. Die Jahreskontrakte laufen im September aus. Die Lieferanten halten neue Angebote noch zurück. Guarkernmehl, ein auch für Bio-Lebensmittel zugelassener und in der Gewürzindustrie verwendeter Zusatzstoff, verteuert sich rapide, seit die gute Verwendbarkeit von Guar für das Erdölfracking erkannt wurde.

Diese Preisentwicklung trifft zusammen mit einer seit Jahren schärfer werdenden Flächenkonkurrenz mit Agrarland, das zum Anbau von Pflanzen zur Energiegewinnung genutzt wird, kontinuierlich ansteigender Nachfrage, insbesondere in China, Indien und Brasilien, verdreifachten Frachtraten für Seefrachtcontainer aus China und steigenden Energiekosten in Deutschland.

Quelle/Kontaktadresse:

Fachverband der Gewürzindustrie e.V.
Dirk Radermacher
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