Arzneigewürze: Aphrodisiakum, Halluzinogen, Insektenschutz

Die Präsentation dieser alten „Arzneigewürze" steht im Mittelpunkt der Sonderausstellung im Deutschen Museum. Ein großer, duftender „Gewürzbasar" im Zentrum der Ausstellung sorgt dafür, dass auch die Sinne zu ihrem Recht kommen; hier sind Gewürze in gemahlener und ganzer Form zu besichtigen. In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Museum hat der Botanische Garten in München-Nymphenburg einen Gewürzpfad ausgesteckt, wo man während der Ausstellungsdauer alle tropischen Gewürzpflanzen auch in der Natur bewundern kann.


Kuratiert wird die Ausstellung von Dr. Elisabeth Vaupel, die die Chemieabteilung des Deutschen Museums leitet: Die Ausstellung wendet sich besonders an Besucher und Besucherinnen, deren Liebe normalerweise nicht unbedingt den Naturwissenschaften gilt. Neben den pharmakologisch und ernährungsphysiologisch interessanten Inhaltsstoffen der wichtigsten Gewürze werden auch kunst- und kulturgeschichtliche, volks- und völkerkundliche Aspekte vorgestellt.

Salbei, Petersilie oder Safran wurden zeitweise als Abtreibungsmittel gebraucht. Nelken, Wacholderbeeren und Zimt, Gewürze, die schon im alten Ägypten als Räucherwerk zum Zwecke des Vorratsschutzes verbrannt wurden, enthalten natürliche Insektizide. Andere Gewürzinhaltsstoffe wie beispielsweise das Myristicin der Muskatnüsse sind in hochdosierter Form Halluzinogene. Stark duftende Gewürze galten seit jeher als Aphrodisiakum, spielten in der Magie und bei rituellen Bräuchen eine große Rolle. Gewürze beflügelten die Phantasien und Sehnsüchte der Europäer, waren im Zeitalter der europäischen Expansion eine wichtige historische Triebkraft und führten dazu; dass sich um 1600 mit den ersten international operierenden Handelsgesellschaften völlig neue Wirtschaftsstrukturen herausbildeten. Als Fernhandelsgüter hatten Gewürze einst einen ähnlichen Stellenwert wie für uns heute das Erdöl.