Gewürze – Locken, heilen und inspirieren

Gewürze im Deutschen Museum in München? Nichts liegt näher als das. Nicht nur, dass Gewürze zu den ältesten Arzneipflanzen der Menschheit gehören und daher in einem naturwissenschaftlichen Museum gut aufgehoben sind - die Isar, in deren Mitte das Museum liegt, war in Bayern einer der wichtigsten Handelswege beim Transport von Kräutern, Gewürzen und Arzneien.

Eine Auswahl der wichtigsten traditionellen Gewürz Arzneipflanzen wie Muskat, Nelken, Pfeffer, Chili und Safran steht im Mittelpunkt dieser Sonderausstellung, die das Deutsche Museum bis Dezember 2002 präsentiert. Thematisiert werden Aspekte, die von der Botanik über chemisch pharmazeutische Zusammenhänge, den kulturgeschichtlichen Hintergrund und die Anwendung in der Küche bis hin zur Technik unter anderem von Gewürzmühlen reichen.

Was bringt uns beim Genuss eines Pfeffersteaks, eines Paprikagulaschs oder eines scharf gewürzten Chili con carne ordentlich ins Schwitzen? Kaum jemand außer den Apothekern weiß heute noch, dass viele Gewürze früher als Medikament verwendet wurden, geschweige denn, auf welche Weise sie pharmazeutisch wirken. Seit Jahrhunderten werden zum Beispiel in Europa Salbei, Rosmarin, Thymian oder Chili auch als Medikamente benutzt. Von der Antike bis weit ins 17. Jahrhundert hinein galten sie als begehrte, vor allem während des Mittelalters in unglaublichen Mengen konsumierte Speisezutaten. Durch ihre reichliche Verwendung wollte man nicht nur seinen sozialen Status demonstrieren, sondern auch den Vorstellungen einer gesunden Lebensweise entsprechen. Die alltägliche Gesundheitsfürsorge fand nach dem Grundsatz „Ein guter Koch ist ein halber Arzt" zum großen Teil in der Küche statt.

Als im letzten Jahrhundert die rasante Entwicklung der naturwissenschaftlich orientierten Chemie und Pharmazie und der entsprechenden Industrien einsetzte, verschwanden viele Gewürze aus dem medizinischen Alltag. Die einst so multifunktionell gebrauchten Pflanzen, die Jahrhunderte lang Arzneimittel, Duftstoff, würzende Speisezutat und Textilfarbstoff in einem waren, kommen meist nur noch als Geschmacksverbesserer zum Einsatz.