Liebeszauber und Pestamulett

Gewürzpflanzen hatten im Volksglauben Bedeutungen, die weit über ihre medizinisch pharmazeutischen Qualitäten hinausgingen. So gehört die Muskatnuss zu jenen Gewürzen, die Jahrhunderte lang als Aphrodisiakum galten und deswegen in Europa als Liebesamulett getragen wurden. Als rares Wertobjekt fanden sie, oft prachtvoll gefasst, Eingang in fürstliche Kunst- und Raritätenkammern. Auch Nelken besaßen weitreichende symbolische Bedeutung. Zu Zeiten der Pest galten sie als wirksame Infektionsprophylaxe. Jahrhunderte lang waren sie das einzige Mittel gegen Zahnschmerz. Weil das Gewürz wie ein kleiner Nagel aussieht - das Wort Nelke kommt von Nägelein, waren sie im christlichen Abendland ein Symbol für den ans Kreuz genagelten, leidenden Christus.

Das inmitten der Isar gelegene Deutsche Museum ist ein würdiger Ort, um sich mit Gewürzen und ihrer Geschichte zu beschäftigen. Jahrhunderte lang machten hier die großen Flöße Halt, die die aus Venedig über die Alpen kommenden fernöstlichen Importwaren auf der Isar nordwärts transportierten. Nelken, Muskat, Macis, Pfeffer und andere exotische Gewürze wurden in Münchens Floßhafen gelöscht und gelangten von hier aus in bayerische Wurstgewürzmischungen. Ohne Macis, jenes heute eher unbekannte Muskatgewürz, wäre eine Münchner Weißwurst bis heute undenkbar.