06.03.2026

Stellungnahme des Fachverbands der Gewürzindustrie zum ÖKO-TEST „Kräuter der Provence“

Der Fachverband der Gewürzindustrie begrüßt grundsätzlich unabhängige Produkttests und transparente Verbraucherinformation. Sie können einen wichtigen Beitrag zur Orientierung im Markt leisten, sofern die Bewertungen objektiv nachvollziehbar sind und nicht auf willkürlich erscheinenden Maßstäben beruhen.

Deshalb halten wir es für wichtig, die Ergebnisse des aktuellen ÖKO-TESTs zu „Kräuter der Provence“ fachlich einzuordnen. Mehrere der untersuchten Produkte wurden trotz Einhaltung aller geltenden lebensmittelrechtlichen Anforderungen in Deutschland und der Europäischen Union deutlich abgewertet. Aus Sicht der zuständigen europäischen und nationalen Risikobewertungsbehörden gelten diese Produkte jedoch als sicher und uneingeschränkt verkehrsfähig.

Mineralölbestandteile (MOSH)
ÖKO-TEST bewertet bereits vergleichsweise niedrige Gehalte an gesättigten Mineralölkohlenwasserstoffen (MOSH) kritisch. Auf europäischer Ebene dient ein Wert von 15 mg/kg jedoch als sogenannter Indikativwert im Monitoring. Dieser Wert ist keine gesetzliche Höchstmenge, sondern eine Prüfschwelle, ab der mögliche Eintragsquellen entlang der Lieferkette überprüft und gegebenenfalls Minimierungsmaßnahmen ergriffen werden sollen.

Die europäische Gewürzindustrie arbeitet seit vielen Jahren intensiv daran, mögliche Eintragsquellen zu identifizieren und weiter zu reduzieren. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Gewürze Naturprodukte mit komplexen, international verzweigten Lieferketten sind, bei denen Spuren aus verschiedenen Umwelt- und Prozessquellen stammen können.

Pflanzenschutzmittelrückstände
Auch bei den nachgewiesenen Pflanzenschutzmittelrückständen handelt es sich um Spuren, die deutlich unterhalb der gesetzlich festgelegten Rückstandshöchstgehalte liegen. Diese Grenzwerte werden auf Basis umfangreicher toxikologischer Bewertungen festgelegt und gewährleisten ein hohes Verbraucherschutzniveau.

Bei Gewürzmischungen wie „Kräuter der Provence“, die aus mehreren Pflanzenarten aus unterschiedlichen Anbauregionen bestehen, können analytisch mehrere Rückstände nachweisbar sein. Nach Einschätzung des Bundesinstituts für Risikobewertung stellen solche Mehrfachrückstände kein gesundheitliches Risiko dar, solange die jeweiligen Höchstgehalte eingehalten werden.
Zudem werden Gewürze typischerweise nur in sehr kleinen Mengen verzehrt.

Hohe Qualitäts- und Sicherheitsstandards
Die Unternehmen der deutschen Gewürzindustrie arbeiten entlang der gesamten Lieferkette mit umfassenden Qualitätssicherungs- und Kontrollsystemen. Dazu gehören regelmäßige Laboranalysen, umfangreiche Rohwarenkontrollen sowie eine lückenlose Rückverfolgbarkeit der Rohstoffe.
Die Branche arbeitet kontinuierlich daran, mögliche Einträge unerwünschter Stoffe weiter zu minimieren.

Fazit
Unabhängige Produkttests können eine wertvolle Orientierung für Verbraucherinnen und Verbraucher bieten, sofern sie nicht das Ziel verfolgen, Verbraucherinnen und Verbraucher mit wissenschaftlich ungerechtfertigten Mutmaßungen zu verunsichern. Aus Sicht der Gewürzindustrie ist entscheidend, dass Bewertungen transparent eingeordnet werden und zwischen rechtlicher Lebensmittelsicherheit und redaktionellen Bewertungsmaßstäben unterschieden wird.

Für die Unternehmen der Branche gilt weiterhin: Qualität, Lebensmittelsicherheit und kontinuierliche Verbesserung stehen an erster Stelle.