19.8.2019

Stellungnahme zu Pyrrolizidinalkaloiden in Oregano

(Bonn, 19.08.2019) Das Chemische- und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart (CVUA) hat vor kurzem über Ergebnisse von Untersuchungen auf Pyrrolizidinalkaloide (PA) in Oregano informiert. Die Untersuchungsergebnisse betreffen die gesamte deutsche wie europäische Gewürzbranche. Wir als Fachverband möchten hierzu gerne Stellung nehmen:

PA sind natürliche Pflanzeninhaltsstoffe, die in rund 500 unterschiedlichen Formen in ca. 6.000 Pflanzenarten weltweit vorkommen. Die betreffenden Pflanzen zählen in der ganz überwiegenden Zahl der Fälle zu Unkräutern. PA werden von diesen Pflanzen als „Schutz vor Fraßfeinden“ gebildet. Sie sind natürliche Inhaltsstoffe von Unkräutern, die bei der Ernte ungewollt mitgeerntet werden und so in Kräuter gelangen können. Die Anbauer von Kräutern stehen somit vor der Herausforderung, das Miternten von PA-haltigen Unkräutern durch stetige Verbesserung der landwirtschaftlichen Praxis zu minimieren und gleichzeitig den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln auf ein Minimum zu begrenzen.

Grenzwerte für PA in Lebensmitteln existieren derzeit nicht, werden aber von der EU-Kommission diskutiert. Die diskutierten Grenzwerte spiegeln nach Ansicht der EU-Kommission das Ergebnis einer guten landwirtschaftlichen Praxis wider; deren Überschreitung lässt aber als solche nicht auf eine Gesundheitsgefahr schließen. Die Gewürz verarbeitenden Unternehmen nehmen die analytischen Befunde des CVUA vor diesem Hintergrund ernst und haben bereits durch Aufklärung und verschiedene Schulungen der Anbauer in den Ursprungsländern konkrete Maßnahmen zur weiteren Minimierung von PA-haltigen Unkräutern eingeleitet.

Unabhängig von diesen konkreten Maßnahmen möchten wir als Fachverband eine Einordnung der Verzehrmenge vornehmen: Verbandsinterne Schätzungen auf Grundlage von Importmengen von getrocknetem Oregano in Deutschland kommen auf ca. 1.874 Tonnen im Jahr 2017. Ausgehend von der verfügbaren Menge an getrocknetem Oregano in Deutschland und den bekannten Verzehrgewohnheiten muss von einer täglichen Verzehrmenge von 0,065 g pro Person/Tag ausgegangen werden, was eine als unbedenklich betrachtete Tagesdosis in Bezug auf die gemessenen PA-Gehalte darstellt. Diese durchschnittlich mögliche Verzehrmenge pro Person wird nach Recherchen zu aktuellen Rezepten und Kochgewohnheiten auch beim Nachkochen von Rezepten nicht überschritten.

Unabhängig davon legen die Unternehmen der Gewürzindustrie einen starken Fokus auf die systematische Analyse von Rohwaren und fertigen Erzeugnissen und arbeiten in den Ursprungsländern mit den Anbauern zusammen, damit PA-haltige Unkräuter frühzeitig erkannt und soweit wie möglich aus den Anbauflächen entfernt werden können. Für alle Maßnahmen gilt, dass die Minimierung der PA-Gehalte in Kräutern für die Gewürzindustrie höchste Priorität hat.

Kontakt:
Dr. Markus Weck
Reuterstraße 151
D-53113 Bonn
Tel.: +49/228/212017
E-Mail: m.weck@verbaendebuero.de