Fragen und Antworten zu Pyrrolizidinalkaloiden

Was sind PA? Sind PA giftig? Wie kommen PA in Kräuter und Gewürze? Die Gewürzindustrie beantwortet die 10 häufigsten Fragen zu PA in Kräutern und Gewürzen, um Hersteller, Weiterverarbeiter und Verbraucher über den aktuellen Stand der Wissenschaft zu informieren.

1. Was sind Pyrrolizidinalkaloide (PA)?

PA ist eine Sammelbezeichnung für eine Gruppe aus ca. 660 natürlichen Verbindungen, die von verschiedenen Pflanzen zur Abwehr von Fraßfeinden wie zum Beispiel Insekten oder deren Larven gebildet werden. PA sind in der Natur weit verbreitet und werden weltweit von ca. 6.000 Pflanzenarten gebildet. Die Menge an PA in diesen Pflanzen schwankt sehr stark, da sie von der Pflanze als Reaktion auf unterschiedliche äußere Einflüsse, z.B. Stress, gebildet werden.

2. Sind PA giftig?

Wissenschaftliche Tests haben ergeben, dass eine kleine Gruppe der PA-Verbindungen bei langfristiger Aufnahme gesundheitsschädliche Auswirkungen auf Menschen und Tiere haben kann. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat hierzu eine Liste von 28 PA-Verbindungen veröffentlicht, die die Leber schädigen und außerdem in dem Verdacht stehen, krebserregend zu sein.

Die Ergebnisse wissenschaftlicher Untersuchungen erlauben eine Abschätzung, ob die Menge an PA in einem Lebensmittel möglicherweise zu einer negativen Auswirkung für die Gesundheit führt oder ob das Lebensmittel sicher verzehrt werden kann. Allgemein sollte die Aufnahmemenge an PA jedoch soweit wie möglich gesenkt werden.

3. Muss ich beim Verzehr von Kräutern oder stark gewürzten Gerichten vorsichtig sein?

Alle als Kräuter oder Gewürze verwendeten Pflanzen bilden bis auf eine einzige bekannte Ausnahme (Borretsch) selbst keine PA. Falls PA in Kräutern oder Gewürzen gefunden werden, handelt es sich daher um eine unerwünschte Verunreinigung.

In den letzten beiden Jahren wurden von einer deutschen Hochschule in Zusammenarbeit mit dem Fachverband der Gewürzindustrie die gängigsten Kräuter und Gewürze in einer umfangreichen Studie auf PA-Kontaminationen untersucht. Die Studie hat ergeben, dass der größte Teil der Kräuter und Gewürze, wenn überhaupt, nur minimale Mengen dieser PA enthält und bedenkenlos verzehrt werden kann.

Eine kleine Gruppe von Kräutern und Gewürzen, die sich als anfälliger für eine Verunreinigung mit PA ausbildenden Unkräutern erwiesen hat, steht nun unter genauer Beobachtung der Gewürzhersteller und Lebensmittelkontrollbehörden und wird intensiv
auf PA untersucht, um sicherzustellen, dass keine Kräuter oder Gewürze gehandelt werden, von denen ein Risiko für die Gesundheit der Verbraucher ausgehen könnte.

4. Gibt es rechtliche Vorgaben für die maximal erlaubte Menge an PA in Lebensmitteln?

Rechtlich verbindliche Grenzwerte für die Menge eines unerwünschten Stoffes in Lebensmitteln werden vom Europäischen Parlament beschlossen und gelten für alle Mitgliedstaaten der Europäischen Union.

Da das Risiko, das von Verunreinigungen oder anderen unerwünschten Stoffen in Lebensmitteln ausgeht, immer von der Menge des verzehrten Lebensmittels abhängt, werden gesetzliche Grenzen für diese Stoffe immer nur in Bezug auf bestimmte Lebensmittelkategorien erlassen. Aktuell wird auf EU-Ebene ein Gesetz mit Höchstwerten für PA beraten, in dem auch die Gruppe der Kräuter und Gewürze mit eigenen Höchstwerten geregelt werden soll.

Bis dieses Gesetz gilt, wird für jeden gefundenen Gehalt an PA eine eigene Risikobewertung durchgeführt und im Einzelfall entschieden, ob ein Risiko für die Gesundheit besteht oder das Lebensmittel gefahrlos verzehrt werden kann.


5. Wie gelangen PA in Kräuter oder Gewürze?

PA sind natürliche Bestandteile vieler Unkräuter. Bisher ist nur von einer einzigen als Kraut oder Gewürz gehandelten Pflanze (Borretsch) bekannt, dass diese selbst PA bilden kann.

Bei allen anderen Kräutern oder Gewürzen handelt es sich bei PA-Funden daher um eine unbeabsichtigte Verunreinigung. Es gibt diverse Erklärungen dafür, wie solche Verunreinigungen auftreten können; die wahrscheinlichste ist jedoch ein Eintrag durch Unkräuter, die bei der Ernte übersehen und ungewollt mitgeerntet werden.

6. Gibt es Kräuter oder Gewürze, die selbst PA bilden können?

Von den als Kräuter oder Gewürze gehandelten Pflanzen ist nicht bekannt, dass diese selbst PA bilden können. Die einzige Ausnahme stellt Borretsch dar, welcher beispielsweise in der traditionellen Frankfurter Grünen Soße verwendet wird.

7. Wieviel PA stecken in einer PA-Pflanze?

Die Menge an PA-Verbindungen in PA-Pflanzen schwankt sehr stark, da diese Pflanzen die PA als Reaktion auf äußere Einflüsse bilden. Die PA-Menge ist abhängig von der Art der Pflanze, der Art und Stärke dieser Einflüsse und auch von dem betrachteten Teil der Pflanze (Wurzeln, Stängel, Blätter, Blüten, etc.). Es ist jedoch bekannt, dass einzelne Pflanzen sehr große Mengen an PA bilden können. Daher kann es vorkommen, dass
schon durch einzelne versehentlich mitgeerntete PA-Pflanzen ein gesamtes Kräuter- oder Gewürzfeld kontaminiert wird.

8. Was tut die Gewürzindustrie gegen PA in Kräutern oder Gewürzen?

Gewürzfirmen erstellen Untersuchungspläne für betroffene Kräuter- und Gewürzsorten und führen umfangreiche PA-Tests in diesen Produkten durch. Außerdem arbeitet der Fachverband der Gewürzindustrie eng mit Organisationen in den Ursprungsländern diese Produkte zusammen und unterstützt diese Länder bei der Aufklärung und Schulung der Landwirte, um PA-Pflanzen auf den Feldern so weit wie möglich zu reduzieren.

9. Sind Fälle bekannt, bei denen Verbraucher durch den Verzehr von PA-haltigen Kräutern oder Gewürzen erkrankt sind?

Nein. Da Kräuter und Gewürze nur in sehr geringen Mengen verzehrt werden, ist schon alleine hierdurch das Risiko einer Aufnahme bedenklicher Mengen an PA begrenzt. Es ist bisher kein Fall bekannt, in dem es durch einen Gehalt an PA in Kräutern oder Gewürzen zu einer gesundheitlichen Schädigung von Verbrauchern gekommen wäre.

10. Warum kümmert man sich erst jetzt um PA in Kräutern und Gewürzen?

Die Information, dass in Kräutern oder Gewürzen PA enthalten sein können, wurde erstmals im September 2016 vom BfR veröffentlicht. Nachforschungen des Fachverbandes der Gewürzindustrie haben ergeben, dass PA-Verunreinigungen für die meisten Kräuter und Gewürze nicht relevant sind.

Bei denjenigen Kräutern und Gewürzen, die sich als anfälliger für solche Verunreinigungen erwiesen haben, wurde ermittelt, dass die PA-Mengen erst in den vergangenen Jahren angestiegen sind. Es werden zwei Hauptgründe für den Anstieg vermutet:

• Durch den Klimawandel ändern sich vielerorts die äußeren Bedingungen für bestimmte Pflanzen. Einige PA-Pflanzen reagieren mit einer stärkeren PA-Produktion.

• Zum Schutz der Biodiversität werden immer weniger Pestizide eingesetzt. Dadurch steigt die Menge an Unkräutern auf dem Feld, wodurch immer mehr PA-Pflanzen ungewollt mitgeerntet werden.


FACHVERBAND DER GEWÜRZINDUSTRIE E.V.
Februar 2020